Wer sagt Tunke zur Soße? Der Deutsche oder der Österreicher?
Der Tunken-Streit – Spoilern wir die Pointe: In Deutschland sagt im Alltag quasi niemand „Tunke“. In Deutschland sagt man Soße oder Sauce.
Deutschland ist, wie Frankreich, historisch gesehen ein Soßenland. Insbesondere südlich der Elbe liebt man Soße. Um diese sämig zu binden, sind französische Techniken wie die Velouté eingeflossen. Am Handwerk wollte man nicht nur schmecken, sondern auch zeigen, was man kann.
Die österreichische Küche dagegen »glänzt« bei Fleischgerichten durch Purismus. Wie das »Safterl«. Die Soße spielte auch damals schon weniger eine Rolle, dass »sämig binden« erschien zu aufwendig.
Auch ein Fleisch, wie Tafelspitz, wurde (und wird) daher nicht mit Soße serviert. Der »Apfelkren« oder die Schnittlauchsauce auf Brotbasis serviert, war einfacher, zugänglicher und verfügbarer.
Die Verliebtheit in gute Soßen, die Franzosen und Deutsche teilen, ist den Österreichern mehr als nur unverständlich. Mit Inbrunst verteidigt er seine »Saucenfaule« Küche, die er als »die Beste« patriotisch verteidigt und die indes, wie wir nun wissen, nur kaiserlich umetikettiert wurde.
So wird in Österreich das Wort „Tunke“ nahezu vollständig zum Spott verwendet. Nicht gegen die Franzosen, sondern lediglich um zu diskreditieren, was »die Deutschen« mit ihrem Essen so Gruseliges machen. Sind ihm doch die Einflüsse aus England, Dänemark, Niederlande, Elsass, Polen, so fremd, obwohl man doch im Urlaub in München festgestellt hat, das man fast die gleiche Sprache spricht.
So ist – allen voran – das berüchtigte „Schnitzel mit Tunke“ (also bspw. Jägersoße zu einem panierten Schnitzel) für Österreicher der Inbegriff deutscher Horror-Kulinarik.

